Die Volkshochschule Brake hatte, wie jedes Jahr, im März 2015 eine Busreise zur „Kreativa“ in Dortmund organisiert, für die ich mich an dieser Stelle erstmal herzlich bedanken möchte. Es war ein wundervoller Tag! Ich habe, wie geplant, ein paar
schöne Stoffe gekauft und viele neue Sachen kennen gelernt.
Am meisten beeindruckt hat mich jedoch der Stand zum Thema „mixed media“, der von einer Gruppe Künstlerinnen geleitet wurde. Dort wurden Bilder (überwiegend im Postkartenformat) erstellt und anschließend in einen Bilderrahmen mit Passpartout geklebt. Wunderschöne Beispiele in verschiedenen Größen hingen an den Wänden, aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengestellt, eigentlich Collagen, aber doch ganz anders. Ich war erst mal irritiert, was man alles einarbeiten kann, war ich doch bis dahin mit Stoff und Garn beschäftigt, und immer darauf bedacht, dass alle Nähte ordentlich sauber und grade sind. Ein Stück aus einer Zeitschrift, mit Klarlack besprüht, drum herum Perlen und Kordeln, Federn und Spitze, bunte Stoffe mit atemberaubenden Mustern, sogar die Rahmen waren teilweise mit einbezogen.
So ins Betrachten und Staunen vertieft, kam eine der Damen auf mich zu und fragte, ob ich das vielleicht mal selber probieren wollte. Ja, warum nicht!?  Um 12:00 startete der Workshop.
Sie haben kleine Wundertütchen mit Material in einem Schuhkarton herumgereicht. Jeder konnte sich eins rausnehmen und sich überraschen lassen. Auf den vorgefertigten Untergrund sollte dann alles nach Lust und Laune aufgenäht werden
(von Aufkleben hielten die Damen nichts). Auf dem Tisch standen jede Menge „Zutaten“ wie Nähgarn in vielen bunten Farben, Perlen, Stempel und verschiedene farbige Stempelkissen und Nadeln natürlich. Meine Karte sieht so aus:


Die Karte ist aus fester Pappe, hübsch mit Farbe bemalt. Darauf zu nähen war schwer. Anfangs gefiel sie mir nicht, ich bin Perfektionistin, die Zeit war zu kurz. Aber später zu Hause hab ich es doch noch mal probiert. Und da hat es Klick gemacht. Tja, ich fürchte, ich bin infiziert...
Weil: mit dieser Technik kann man ALLES, was es in Punkto Handarbeiten gibt, miteinander kombinieren. Nähen, Sticken, Stricken, Häkeln, Klöppeln, Makramee und noch vieles mehr. Wer mit Papier bastelt, wird sicher noch einiges an Techniken
kennen, die mir (noch) fremd sind. Und die Maler unter Ihnen haben wieder andere Möglichkeiten. Ich hab mal bei meiner Tochter einen Buttinette Katalog durchgeblättert und da sind viele Sachen drin, von denen ich keine Ahnung habe.
Eigentlich kann man auch alles dafür benutzen, was einem gefällt bzw. was grad da ist: Stoffe, Papier, Filz, bemalte Pappe, Kunststoffe aller Art, Kaffeetüten aus Alu (etwas merkwürdig fand ich die Idee mit bestimmten Briefumschlägen, die beim
Bügeln Blasen werfen, ich hab vergessen wie das heißt, sah seltsam organisch aus...), gut hat mir das feste Vlies gefallen, zufällig? hab ich etwas ähnliches mal auf Vorrat gekauft für eine ganz andere Verwendung.


Man kann auch Fotos mit einarbeiten, das hab ich noch nicht gemacht, aber meiner Tochter ist das gut gelungen, sie
hat mich mit einem schönen Bild zum Muttertag überrascht:
Es kommt ja auch immer drauf an, was man damit vorhat. Ob so ein Bild länger an der Wand hängen soll, oder nur für eine Jahreszeit zur Dekoration gedacht ist, entsprechend kann man das Material dafür auswählen.
Ich selber verwende lieber Stoff und Garn, Schleifenband und Spitzen, vor allem Klöppelspitzen finde ich sehr schön. In der Richtung hab ich schon vorher zwei Bilder gemacht (die in der Galerie zu sehen sind). Wer mit Papier arbeitet, wird
Tortenspitzen mögen. Da fällt mir ein: irgendwo hab ich noch ein paar von den alten Glanzbildchen fürs Poesiealbum. Knöpfe und Perlen dürfen nicht fehlen, und natürlich Nadeln in verschiedenen Größen zum Nähen und Sticken.
Ich hab erst mal damit angefangen:
Dieses Bild habe ich auf einen Keilrahmen montiert.
Dazu habe ich zuerst ein Stück Stoff zugeschnitten, das groß genug ist, um auf den Keilrahmen gespannt zu werden. Dieses Stück sieht man zuletzt nur noch an den Seiten, also ist es nebensächlich, was für Stoff das ist. Vielleicht möchten Sie ein
altes Oberhemd oder eine kaputte Tischdecke dafür passend zurechtschneiden. Auf diesen Stoff nähte ich dann nach und nach alles auf, bis das Bild fertig war.
Sicherlich kann man alles auch direkt auf dem Keilrahmen befestigen. Ich finde es so einfacher, ich kann das besser in der Hand halten. Zuerst sucht man sich die Zutaten zusammen. Farblich zueinander passend oder bunt durcheinander, das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich mag Kreuzstich, deshalb hab ich immer ein paar Stückchen da, wo ich mal ein Muster
ausprobiert habe, das wirkt vielleicht etwas altbacken, eben Geschmackssache.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die besten Ideen kommen, wenn ich das alles dann kreuz und quer auf den Keilrahmen lege.
Ob Sie kleine Quadrate, Dreiecke oder Kreise schneiden, alles in einer Reihe, oder kreuz und quer über die Fläche verteilen, bleibt Ihrer Fantasie überlassen. Sie können die Stoffstücke wie beim Patchwork zuerst auf links zusammennähen,
oder mit sichtbaren Nähten auf der Oberseite, gut versäumt oder mit gewollten Fransen, mit geraden oder schrägen Nähten, mit Zierstichen auf der Nähmaschine oder mit der Hand, erlaubt ist, was gefällt. Papier hat hier noch den Vorteil, dass man
es reißen kann, dabei entstehen interessante Ränder. Eine Zackenschere könnte einen ähnlichen Effekt geben, wenn ich denn eine hätte...
Wenn alle Stücken an Ort und Stelle sind, kommt die „Garnierung“. Hier kann man wieder jedes beliebige Garn verwenden. Da hab ich schon die lustigsten Sachen gesehen, sogar Paketschnur kann gut aussehen. Ich hab einen lila Stricklieselschlauch an den Rand angenäht, und fand das sehr hübsch.
Meine Vorliebe zu crazy Patchwork kann ich hier voll ausleben.
Es spielt jetzt keine Rolle, ob Sie gut sticken können oder nicht, erlaubt ist, was gefällt. Ist ja selbstgemacht, die gute Absicht zählt – und Übung macht den Meister.
Meine Nichte hat mir mal ein Bild zum Geburtstag gemalt, mit Stoff und Schleifenband eingerahmt, einfach und schön.


Stoffmalstifte sind auch eine schöne Ergänzung, z.B. wenn mal nur einfarbige Stoffe vorhanden sind, da können die erstaunlichsten Kunstwerke entstehen. Auf der Messe hab ich das erste Mal einen Stempel probiert, mit roter Farbe auf der
Karte zu sehen. Daraufhin hab ich mir später zwei gekauft. Stoffmalfarbe hab ich zu Haus, wollte mal was damit machen, bin aber nicht dazu gekommen. Jetzt werde ich die endlich mal nutzen.
Ob Sie schon länger handarbeiten und deshalb viele Stoffreste zur Hand haben oder erst anfangen und noch suchen müssen, hier können Sie alle Ihre Ideen einfließen lassen. Nehmen Sie einfach das, was Sie da haben, eine Bluse, die nicht mehr
passt, Omas Gardine, ein altes Platzdeckchen, Tischdecken. Bettwäsche, die nicht mehr ansehnlich ist, ist meist am Fußende noch gut erhalten. Kinderkleidung, die nicht mehr passt, gibt ein schönes Bild, in dem noch ein paar Erinnerungen
schlummern. Was auch immer praktisch ist, sind Stoffmuster, die manche Firmen verschicken, meistens in 10 x 10 cm Stückchen und oft sogar kostenlos. Ich hab bei ebay mal günstig einen Stoffmusterkatalog ersteigern können mit Möbelstoffen, sehr dekorativ.
Auf der Suche nach Material bin ich sogar in einem 1€ Laden gelandet, dort gibt es Perlen, Pailletten, Federn, Glitzerkram zum Aufbügeln oder kleben in Hülle und Fülle.
Wenn Sie eine Heißklebepistole besitzen, können Sie sogar diese kleinen Streuteile verwenden. Die niedlichen Marienkäfer aus Holz lassen sich wohl nicht aufnähen. (Die Damen von dem Messestand mögen mir diese Idee verzeihen...)
Auch auf Flohmärkten bin ich schon oft fündig geworden. Kleine Häkeldeckchen hab ich neulich gefunden, für ein nächstes Projekt. Und natürlich der ortsansässige Bastelladen, da darf ich gar nicht reingehen, selten
komme ich unter 30 € wieder raus.
Was ich auf jeden Fall noch machen will, ist ein Bild für mein „Büro“. Dafür hab ich schon Büroklammern gesammelt, ein paar alte Stempel, einen hübschen leeren Kugelschreiber, ein paar CDs, mal sehen, wann ich dazu komme...
Ihnen wünsche ich jetzt viel Spaß, massenweise tolle Ideen und immer nette Leute in der Nähe, die ein selbstgemachtes Kunstwerk zu schätzen wissen.